Im Zentrum der Stadt Traunreut, neben Heimathaus und VHS, liegt das Theaterchen „O“.
Seit 23 Jahren begeistert der Verein seine Zuschauer mit Schauspiel,
Musik und Kleinkunst.
Inzwischen ist das „O“, wie es von seinen treuen Anhängern liebevoll genannt wird, bis weit über die Grenzen des Landkreises bekannt. Mit drei bis vier eigenen Produktionen im Jahr, lockt man die Stammkunden und Theaterbegeisterten Kinder und Erwachsene in das kleine, gemütliche „Zimmerltheater“ .Gerade das ist es wohl, was das Theaterchen“O“ so beliebt macht: der unvergleichbare Charme, der entsteht, wenn nur maximal 90 Zuschauer im Theatersaal gespannt, den mit Leidenschaft inszenierten Stücken lauschen.
Angefangen hat das alles 1977, als Gerhard Franz Xaver Unterforsthuber, genannt G.F.X., nach Traunreut kam und mit den Kindern und Jugendlichen in der Hauptschule Theater spielte. Die Mitwirkenden waren so begeistert, dass bereits sechs Jahre später der Saal der Musikschule Komlew für die Zwecke des Theaters angemietet wurde. Der befand sich übrigens im Obergeschoss, deshalb auch das „O“. Noch im selben Jahr wurde schließlich mit acht Gründungsmitgliedern der Verein gegründet. Schon kurz darauf, im Mai 1983, eröffnete das Theaterchen“O“ seine erste offizielle Spielzeit.
1985 erfolgte dann der Umzug in den ehemaligen Frühstücksraum des Jugendübernachtungsheims an der Wichernstraße 7. Mit enormen Arbeitsaufwand und in Eigenleistung hat sich das Team des Theaterchen“O“ eine neue Unterkunft mit Bühne und Arbeitsräumen geschaffen.
1987 wagt sich das Theaterchen „O“ erstmals mit großem Erfolg an das Riesenprojekt „Steiner Spiele“. Veranstalter war die Stadt Traunreut. Das Stück ist eine dramatische Geschichte um den Raubritter Hainz von Stein.
Dazu das Grußwort des damaligen 1. Bürgermeister der Stadt Traunreut: „ Ein historisches Freilichtspiel am originalem Orte, welches vom Glanze und dem Untergang des letzten Edelfreien vom Steine kündet.
Die ereignisreiche Geschichte des Schlosses, die sagenumwobene Gestalt des wilden Ritters Hainz vom Stein und das Hochschloss bieten ideale Voraussetzungen einen Ausschnitt aus der Historie in einem Spiel darzustellen“.
Nach den Steiner Spielen entstand die Idee eines Kleinkunst- Brettls, die dann gleich im Herbst noch umgesetzt wurde. Mit abwechslungsreichem Programm aus allen Kunstrichtungen wie Kabarett,
kurze Geschichten, Gedichte, Zauberei, Pantomime, Sketche, Theater, Gesang und Musik wurden aufgrund der positiven Resonanz des Publikums in vierteljährlichen Abständen, als „Frühjahrs“-, „Sommer“- und „Herbstbrettl“ fortgesetzt und zur Tradition.
So entstand die heute noch bestehende so genannte „Theaterweihnacht“, eine Veranstaltung zur Vorweihnachtszeit mit einem bunten, musikalisch hochstehenden, eher unüblichem Programm für diese Jahreszeit.
1989 Zum zweiten Mal bringt das Theaterchen „O“ die „Steiner Spiele“ auf die ebenso rustikale, wie phantastische Bühne auf der Steiner Burg. Das Ritterdrama, 1987 erstaufgeführt, wird für diese Spielzeit
1989 völlig überarbeitet, es handelt sich quasi um ein neues Stück. Neben der Bühne wird ein kleines mittelalterliches Dorf errichtet. Allerlei gutes Brot und köstlich Gebratenes, Wein-, Bier und Met- Schenken ermöglicht auch den Zuschauern die Gelegenheit zum „atzen und laben“, wie man früher die Tätigkeit für`s leibliche Wohl bezeichnete. Erstmals sind die „Burdyri“ aus Prag dabei, eine Fechtgruppe aus der
ehemaligen Tschechischen Nationalmannschaft, die bei den Steiner Spielen großartige Kampfszenen vorführen.
1991 G.F.X Unterforsthuber zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Arbeit im Theaterchen“O“ zurück. Erstmals führt er nicht mehr Regie und übergibt diese an Marieluise Nagel-King.
1992 wird Heinz Schmidt bei der Jahreshauptversammlung zum ersten Vorsitzenden und damit zum Nachfolger von G.F.X. Unterforsthuber gewählt.
1993 zum 10jährigen Bestehen führt das Theaterchen „O“ drei amüsante Stücke von Curt Götz auf. Marieluise Nagel-King führte Regie. Das Foyer wird renoviert und neu eingerichtet. Die dritten Steiner Spiele. Diesmal führt Michel Schott für den erkrankten G.F.X. Regie. Als neues Element gibt es einen Chor unter der Leitung von Heinz Lichtmannegger, der auch eine eigene Musik dazu komponiert hatte, die von dem Ensemble „Saitenwind“ dargeboten wird. Die Tschechische Stuntgruppe „Burdyri“ ist auch wieder dabei und gehört nun schon zu den unverzichtbaren Elementen dieser Spiele. Die „ Steiner Spiele“ sind inzwischen schon zu einer Institution geworden.
1995 Berta Berthold wird zur ersten Vorsitzenden. gewählt. In der Folgezeit werden unter Anleitung von stets wechselnden professionellen Regisseuren pro Jahr drei Theaterproduktionen erarbeitet, sowohl aus dem Repertoire des gehobenen Boulevardtheater wie auch von leichten Klassikern. Der Schminkraum wird renoviert und neu eingerichtet.
1996 Die „Steiner Spiele“ werden zum vierten Mal organisiert und gespielt. Autor des Stückes „Bauernfünfer“ ist Josef Wittmann aus Tittmoning. Regie führten Josef Wittmann und Michel Schott.
Wieder Renovierungsarbeiten im „O“. Elektrische Leitungen werden neu verlegt bzw. erneuert. Inzwischen steht das ganze Gebäude an der Wichernstraße dem „O“ zur Verfügung. Mittlerweile verfügen wir über einen reichen Fundus an Requisiten und Möbeln.
In der eigenen Werkstatt im Keller werden die Bühnenbilder gebaut, umgebaut und wieder instandgesetzt ; im Nähzimmer die Kostüme genäht bzw. vorhandene geändert.
1997 Das Theaterchen „O“ übernimmt von der Volkshochschule die Organisation von Kabarett- Gastspielen. Über 10 Jahre lang hatte die VHS in den Räumen des „O“ diese qualitativ hochstehenden
Veranstaltungen durchgeführt. Ein neuer Produktionszweig des Theaterchens nennt sich „Impro-Theater“. Erste Aufführungen werden gegeben. Schauspielkurse und Kurse in Sprechtechnik werden mit professionellen Schauspiellehrern angeboten. Dadurch steigt die Qualität der Schauspieler nochmals deutlich an. Zur gleichen Zeit starten auch Schauspielkurse für Kinder im Rahmen der Förderung schauspielerischen Nachwuchses.
Die „O- Saft-Kinder“ sind mit Begeisterung bei der Sache und gestalten zweimal pro Jahr einen Abend, um ihr Können zu präsentieren.Die Bestuhlung im Zuschauerraum wird komplett erneuert.1998 Mit der Sanierung der Küche und dem Kauf einer gebrauchten Kücheneinrichtung wird der „Gemeinschaftsraum“ für die aktiven Mitglieder wieder gemütlich. Im Dezember feiern wir „10 Jahre Theaterweihnacht“ – mit
durchschlagendem Erfolg: Die Karten sind meist sofort ausverkauft, sobald sie auf den Markt kommen.
1999 Im Kinderferienprogramm der Stadt Traunreut gibt es einen Aktionstag, bei den Kindern die Theaterarbeit näher gebracht werden soll. Die Leitung haben Ulrike Straßer, Jutta Thois und Christine Sittmann.
2000 Zum 50jährigen Jubiläum der Stadt Traunreut gibt es wieder die „Steiner Spiele“.Das Theaterchen „O“ nimmt mit einem Festwagen und großem Gefolge in historischen Gewändern am Festzug der Stadt teil. Das ist quasi der Auftakt zu den mittlerweile schon fünften Steiner Spielen. Autor des Stückes „Der Teufelspakt“ ist Hans- Jürgen Stolle, Regie führt Marc Bouvet. Über 130 Akteure wirken bei diesem großen Steiner Spektakel mit. Die Tschechische Stuntgruppe „Burdyri“ ist wieder fester Bestandteil der „Steiner Spiele“. 250 Kostüme und Accessoires werden von vielen fleißigen Helfern unter der Leitung von Kirsten Jaquiery hergestellt. Die Choreographie für den Hexentanz stammt von Elsa Lichtmannegger. Wie immer darf es das mittelalterliche Dorf mit dem buntem Treiben der Gaukler, Feuerschlucker, Stelzengeher, Jongleur, Tanzbär und eine Handleserin nicht fehlen.Mittelalterliche Musik rundet das Geschehen ab.
2001 Ein Sommerfest mit reichen Unterhaltungsprogramm wurde gefeiert. Am 31. Dezember gibt es erstmals eine Silvestergala im „O“, ein Kostümfest unter dem Motto „Zauberwelten“.
2002 Veranstaltet vom bayerischen Theaterverband, werden die Ausbildungskurse im den Räumen des „O“ präsentiert, bei denen auch Ulrike Straßer und Jutta Thois teilnehmen. In diesem Jahr wird auch das Projekt Sketschtheater angestoßen. Das Theaterchen“O“ ist jetzt auch im Internet: www.theaterchen-o.de
2003 Das Theaterchen“O“ feiert am 12. September sein 20-jähriges Bestehen mit einem abwechslungsreichen Abendprogramm und zahlreichen geladenen Gästen.
2004 Wieder „Steiner Spiele“ am Hochschloss in Stein. Diesmal das Stück „Sahira“. Eine ironisch- witzige, aber auch bitter aktuelle Farce über den Irrsinn so genannter Glaubenskriege, hat der mehrfach preisgekrönte Autor Bernhard Setzwein für die „Steiner Spiele“ 2004 verfasst. 80 Darsteller, Bauchtänzerinnen, die Gruppe „Burdyri“ und ein Engelschor begleiten Heinz auf seinem Weg, unter der Regie von Marc Bouvet. Leider drückten die Launen des Sommers die Zuschauerzahlen, die in
Daunenjacken und mit heißem Tee und Glühwein das Geschehen mit Spannung verfolgten.
2005 „O-Saft“, unsere Kinder und Jugendgruppe, bringt ihr erstes „richtiges“ Stück auf die Bühne. „Der Besuch der alten Dame“, von Friedrich Dürrenmatt, inszeniert von Katharina Czepan
wird mit Erfolg gespielt. Unser theaterbegeisterter Nachwuchs besteht immer noch aus den gleichen Kids, die 1997 den Schauspielkurs bei Katharina belegten und weitermachen wollten.
Im September gibt Berta Berthold nach 10 Jahren den Vorstand des Theaterchen“O“ ab.
Ihre Nachfolgerin wird Jutta Thois.